Chronik

Die Gründerzeit (17. Jahrhundert)

"Der Junggesellen Vogel Sutkirchen 1663". Das ist die Einprägung im Schwanzstück des silbernen Vogels an der Königskette, die die Schützenbruderschaft St. Pankratius als ihre "Geburtsurkunde" ansieht.

So eindeutig diese Einprägung auch ist, beantwortet sie jedoch die Frage nach der Entstehung der Bruderschaft nicht. Hier kann nur ein Rückblick in die allgemeine Geschichte des Münsterlandes helfen.

Im Fürstentum Münster wurde im 16. Jahrhundert offensichtlich in jeder Bauerschaft auf den Vogel geschossen. Hintergrund war die Stärkung der Landwehr, zu der die Bauern auf Veranlassung der Landsherren einberufen werden konnten. Bauerschaftsweise wurden Musterungen abgehalten und der Gebrauch des Feuerrohrs, die Büchse, geübt. Alljährlich wurde einmal auf den Vogel geschossen und ein Fest gefeiert.

Gleiches geschah wohl auch in Südkirchen. So wissen wir aus einem Rechnungsbuch der Rentmeisterei des Erbmarschalls von Morrien, dass bereits am 30. Juni 1577 ein Vogelschießen in Südkirchen durchgeführt wurde. Die Diener des Hauses Nordkirchen überbrachten den Vogelschützen nämlich aus diesem Anlass 1 Reichstaler. Dafür konnten sie sich eine Tonne Bier (135 Liter) kaufen und ein Fest feiern. So wurden die Schützen "bei der Stange gehalten".

Nach diesem Zeitpunkt verlieren sich zunächst weitere Nachrichten über die Schützen in Südkirchen. Für das Münsterland begannen etwa ab 1585 die Leiden des spanisch-niederländischen Krieges, in dem beide Parteien des Münsterland als Beutegebiet betrachteten und um die Wette raubten und plünderten. Nach nur wenigen Jahren der Ruhe begann der 30jährige Krieg, das Münsterland wurde etwa ab 1621 erneut von Freund und Feind verwüstet. Nirgendwo auf dem flachen Land konnte den marodierenden Heerhaufen ernsthaft Widerstand geleistet werden. Nach Kriegsschluss 1648 nahm daher Bischof Bernhard von Galen die Idee einer Volksbewaffnung wieder auf. Jetzt schlug die Stunde der ländlichen Schützenvereine im Münsterland. Diese waren fast ohne Ausnahme zugleich auch christliche Bruderschaften, weil in diesem Jahrhundert das Leben der Menschen noch in all seinen Formen und Äußerungen von Religiösen bestimmt wurde. Meistens wurde der Ortspatron der Kirche zum Schutzpatron gewählt.

Für Südkirchen ist das alles aus dieser Zeit nicht überliefert. Wir finden nur den Namen "Südkirchener Schützengesellschaft" oder "Alte Schützengesellschaft". Erst vom Jahre 1824 an ist der Zusatz "Bruderschaft" nachweisbar, die Hinzufügung des Namenspatrons St. Pankratius stammt gar erst aus dem Jahre 1963.

Irgendwann in diese Zeit der Neuorientierung nach dem 30jährigen Kriege dürfte die Gründung der heutigen Schützenbruderschaft St. Pankratius gefallen sein, denn die Jahreszahl "1663" gibt mit größter Wahrscheinlichkeit nur das Datum der Anschaffung oder Stiftung des Königsvogels wieder. Zu berücksichtigen ist nämlich die bis auf wenige Ausnahmen bittere Armut der Bevölkerung in Südkirchen. Bis ein silberner Vogel beschafft werden konnte, hat es sicherlich einige Zeit gedauert. Darüber hinaus hatte Südkirchen um diese Zeit nur ca. 400 Einwohner, wovon kaum mehr als 50 bis 70 Männer im schützenfestfähigen Alter gewesen sein dürften. Allerdings verfügen wir mit der Einprägung "1663" über ein eindeutiges "Mindestdatum".

Die älteste erhaltene Königskette nennt uns 1669 Gerhard Fumans als König, der 1682 erneut König wurde und sich nach den heutigen Regelungen hätte als Kaiser bezeichnen dürfen. Ab dem Jahre 1669 werden nachweislich der Plaketten in unregelmäßigen, teilweise erheblichen Zeitabständen Könige ausgeschossen.